Håkon Kornstad
Was für eine reife Ruhe, was für eine
unbeflissene Schönheit, was für wundervolle Musik!
Die Entdeckung der Geschmeidigkeit. Hatte der durch seine Band Wibutee
oder durch Auftritte mit Bugge Wesseltoft, Anja Garbarek oder Ingebrigt
Håker Flaten bekannt gewordene norwegische Saxofonist und
Flötist HÅKON KORNSTAD mit seiner ersten Soloplatte
"Single Engine" 2007 einen sensationellen Reigen der
Kabinettstücke vorgelegt, ist diese zweite – "Dwell
Time" – das Dokument eines souveränen
Rückzugs in einen Kirchenraum. Aufgenommen in der Osloer
Sofienberg Kirche, breitet sie eine schwelgerische Stimmung aus, von
der man nicht genug kriegen kann. Powerplay war gestern, Kornstad hatte
vielfach bewiesen, dass er das kann. Nun Einkehr, geradezu sakrale
Stimmung, ein mildes und doch immer wieder überraschendes
Voranschreiten voller schöner Augenblicke des Verweilens.
Diese CD steht haushoch neben jedem Betrieb, indem sie sich
Melodienseligkeit traut, indem einer ganz bei sich angekommen ist und
das Publikum dorthin mitnimmt, indem einer über grandiose,
verblüffende und sehr individuelle Spieltechniken
verfügt und mit diesen nicht blendet, sondern sie in den
Dienst einer Sache stellt. Tenor- und Basssaxophon, Flöte, die
seltsame Flutonette – eine von ihm erfundene
Querflöte mit Klarinettenmundstück – und
Live-Electronics, mit denen er sich Layer bastelt für seine
sanft schwebende Musik in absolut unaufgeregter und stimmiger
Dramaturgie. Ein Hauch, ein Hall und immer mehr verdichtet sich das,
als könne es gar nicht anders sein. Håkon Kornstad
macht so ungefähr das Gegenteil von hermetischer Musik. Er
singt auf seinen Instrumenten, überbläst sie, bezieht
die Klappengeräusche und andere perkussive Elemente ein,
arbeitet mit Multiphonics, mit Grazie und Gravität, das es
sich bis ins Hymnische emporschwingen kann. Was für
wundervolle Musik! Was für eine großartige
Live-Performance auch! Für keinen Festival- oder
Clubprogrammmacher sollte in der kommenden Saison ein Weg an
Håkon Kornstad vorbeiführen.



