Dass die Landschaft und die Städte hohes romantisches Potential
haben, wird vermutlich jeder Norwegenreisende bestätigen. Nicht
umsonst machen sich Jahr um Jahr tausende Urlauber auf, um die
schönsten Tage des Jahres an einem einsamen Fjord, auf einer
stürmischen Atlantikinsel, beim Trecking am Nordkap oder auf einem
der Hurtigrouten-Schiffe zu verbringen.
'Romantik' hat aber für Norwegen noch eine zweite Bedeutungsebene:
1814 wurde Norwegen aus dem dänischen Reich herausgelöst und
wurde in Personalunion mit Schweden regiert. Es gab nun gab es zwar den
norwegischen Staat, aber es gab kein norwegisches Volk und vor allem
keine norwegische Sprache, zumal im Reichsverbund die norwegischen
Dialekte keine Rolle spielten. Es gab keinen Königshof, der sich
kulturell betätigt hätte, keine Oper, kein Nationaltheater.
Inspiriert durch die deutsche und dänische Romantik kam in der
Mitte des Jahrhunderts der nationale Durchbruch (norwegisch: det
nasjonale gjennombrudd), die Entdeckung der 'nationalen', nämlich
regional bedauerlichen und ländlichen Kultur Norwegens.
Dieser nationale Durchbruch äußerte sich in der Literatur,
in der Geschichtswissenschaft, der Philologie, der Folkloristik und in
den Bildenden Künsten. In der zweiten Hälfte des 19.
Jahrhunderts erreichte das neue Nationalgefühl die Musik, Edvard
Grieg brachte Norwegen auch international zur Anerkennung.
Neben der Überfigur Grieg gab es aber eine ganze Reihe anderer
Musiker, die sich um ein 'norwegische Idiom' bemühten, viele davon
mit Verbindungen nach Deutschland. Hier ist der Anknüpfungspunkt
für das Festivalprogramm des Jahres 2011: Johan Halvorsen, Halfdan
Kjerulf, Johan Svendsen und natürlich auch Grieg verbinden beide
Länder in dieser Zeit musikalisch auf das engste
miteinander. Den hundertsten (100.) Todestag von Svendsen nimmt
EQUINOX zum Anlass, sich mit dieser Phase norwegischer Musik zu
beschäftigen.
Aber nicht nur die Musik des 19. Jahrhunderts wird aufgeführt: zur
Romantik gehörte auch immer die Beschäftigung mit der
Folklore des Landes - und daran hat sich zum Beispiel in der Jazz- und
Folkszene bis heute nichts geändert.



